
Die Gruppe Abenteurer winkte dem alten Mann und den fünf geretteten Kindern noch eine Weile hinterher, bevor sich Wahkan und Narek zurück zu Alex aufmachten und sich dort am schon gerichteten Lager niederliessen. Lunella hingegen schien das geschenkte Haus sehr zu interessieren und so durchsuchte sie Schränke, Kisten und alle vorhandenen Behältnisse. Ihre Suche ergab 5 leicht verbogene Silberstücke und einen sehr staubigen aber gut verarbeiteten Bogen, ohne Sehne. Der Reiseführer erhielt sein Salz von Wahkan wieder und natürlich auch den Rest der Holzkohle, bevor er ein ordentliches Mittagessen an alle Anwesenden verteilte. Lunella schien immer noch sehr an der Fluchbrecherei teressiert zu sein und stellte Wahkan Fragen dazu und warum er so etwas konnte, die Antworten von Wahkan waren wie immer sachlich.
Er hatte jahrelang seinem Grossvater dem Schamanen seines Stammes bei solchen Arbeiten zugeschaut, hatte bei Vorbereitungen geholfen und Wissen aufgenommen ohne es je aktiv einzusetzen.
Während Kazan sich ein bisschen von der Grupp entfernte um seine Kampfübungen im hohen Gras durchzuführen, begann Lunella mit einem Teil des Feuerholzes kleine Figuren zu schnitzen. Laut ihrer Aussage sollte es ein Mammut werden und so begann sie langsam das Holz mit einem kleinem Dolch zu bearbeiten, während Narek auf den Tauren einredete und ihn zu einem Schläfchen versuchte zu überreden. Wahkan war durch das Fluchbrecher Ritual immer noch erschöpft und legte sich tatsächlich etwas hin, döste aber mehr als das er schlief. Später am Abend entschied sich Wahkan noch für einen kleinen Spaziergang, welchen ihn zu einem leeren Feld brachte und er sich dort auf den Boden setzte um zu meditieren.
Wahkan versuchte die Energie der Umgebung in sich aufzunehmen, schien dabei aber mit seiner Magie etwas übertrieben zu haben und entfachte während seiner Meditation eine Stichflamme, die mehrere Meter in die Höhe schoss. Dies schreckte natürlich auch seine Begleiter auf, welche etwas abwertend guckend vor ihm standen, als er seine Meditation beendet hatte. Narek warnte ihn und auch die restliche Gruppe davor, dies in Zukunft vielleicht nicht mehr in solchen offen einsehbaren Feldern zu tun. Kazan, der Orkkrieger der Gruppe, hingegen war nur etwas enttäuscht davon, dass sich Wahkan nicht körperlich verausgabte beim Einsatz seines Rituals.
Von 30 möglicher Force, hat Wahkan nur 5 aufgenommen, daher hat sich der Rest in die Welt hinaus manifestiert
Zurück am Lagerfeuer entschieden sich Narek und Kazan dafür früh schlafen zu gehen, Lunella schnitzte inzwischen ihr viertes Mammut und Wahkan wollte die Sterne über die Zukunft ihrer Reise befragen. Wahkan starrte also wie immer in den Himmel, versuchte die Sterne und ihre Bewegungen zu deuten bevor ein Windstoss etwas glühende Asche in den Sternenhimmel erhob. Für einen kurzen Augenblick sah es so aus als ob die Sterne sich alle um eine Handbreit verschoben hätten, bevor die Asche verglühte und alles wieder aussah wie gewohnt. Wahkan hatte für einen kurzen Moment Gänsehaut und erinnerte sich an Warnungen seiner Familie, das man nicht zu oft versuchen sollte in die Karten Meldarias zu schauen. Manchmal ermahnte sie Sternendeuter auf diese Weise, das Schicksal nicht zu oft herauszufordern und während Lunella gedankenverloren das Holz bearbeitete, kramte Wahkan kurz nach einem Stück Seil in seiner Umhängetasche. Er nahm das etwa 50 cm lange Stück Seil zwischen beide Hände und sprach leise über die Vergangenheit, welche sie auf diese Reise gebracht hatte, über die Gegenwart und über das Kommende und den Sinn ihrer Reise, während er drei grosse Knoten in das Seil machte und es anschliessend an einem Haussparren des kleinen Dorfes befestigte. Nach dem er das Seil angebracht hat, fühlte sich Wahkan augenblicklich weniger beobachtet und legte sich auch bald hin und schlief noch einige Stunden.
Dieses Ritual wird besonders vor wichtigen Entscheidungen durchgeführt. Händler, Herrscher und Familienoberhäupter greifen oft darauf zurück, wenn sie spüren, dass ihr Leben an einer Weggabelung steht.
Ein Band aus Stoff, Haar oder dünnem Leder wird in die Hand genommen. Währenddessen spricht der Bittende leise drei Worte oder Gedanken aus.
Der erste Knoten steht für das Vergangene. Alles, was geschehen ist und nicht mehr verändert werden kann.
Der zweite Knoten steht für das Gegenwärtige. Den Moment, in dem man steht.
Der dritte Knoten steht für das Kommende.
Nachdem die drei Knoten gebunden sind, wird das Band an einem Ort aufgehängt, an dem der Wind es bewegen kann. Sie glauben, dass der Wind Meldarias Blick auf das Band lenkt.
Der nächste Morgen brach schneller an als es Narek lieb war, während Wahkan sich am Vorabend im Feld der Meditation hingegeben hatte, hatte der einzige Mensch der ungleichen Gruppe Kazan versprochen mehr mit ihm zu trainieren und so weckte der Ork seinen Freund natürlich zusammen mit den ersten Sonnenstrahlen. Die beiden ungleichen Charaktere begaben sich auf den kleinen Platz des Dorfes, in der Nähe des Brunnen und führten mehrere Übungskämpfe durch, die wie nicht anders zu erwarten der Ork dominierte und damit Narek seine Problemzonen mehr als einmal offenbarte. Wahkan erwachte durch den Lärm aus dem kleinen Dorf, sein Schlaf durch das Nickerchen des Vortages sehr unruhig, und weckte mit einer Handbewegung Lunella, die zu Wahkans Belustigung in einem Kreis aus kleinen holzgeschnitzten Mammuts schlief… die Bestienwandlerin hingegen war sehr verwirrt über die Anzahl, ihrer Meinung nach hatte sie nach vieren aufgehört aber hier standen Acht. Wahkan half Alex gemütlich beim Beladen des Mammuts, während die Suppe vom Vortag langsam über dem Feuer wieder erwärmt wurde und nachdem alle ein gutes Frühstück zu sich genommen hatten, ging die Reise auch schon weiter.
Die Reise auf dem Mammut war wie immer sehr angenehm, doch kaum hatte sie richtig begonnen, stockte das grosse Tier und schien sich zu weigern, seinen Befehlen zu gehorchen. Wahkan streckte sich aus seinem Korb um zu sehen, was wohl das Problem auf dem Feldweg vor ihnen sein könnte, aber erkannte nichts. Bevor der Taure dazu kam der Gruppe mitzuteilen, was er dort vorne sah, entschied sich das Reitmammut für einen anderen Weg und machte sich bereit, in das Unterholz der Wälder links des Trampelpfades zu brechen. Dies war für Wahkan das Zeichen sich schnell aus dem Korb zu lupfen und langsam auf den kleinen Pfad hinab zu lassen, ein Zeichen das der Rest der Gruppe wohl verpasst hatte denn während er dem Mammut hinterher blickte, bemerkte er auch alleine auf dem Weg zu stehen…zumindest von dem sonst so voreiligen Kazan hatte er eine ähnliche Reaktion erwartet.
Es wäre ein Leichtes, dem Mammut zu folgen; es verursachte eine wahre Schneise der Zerstörung auf seinem Weg durch den dichteren Teil des Waldes und so versuchte Wahkan nochmal die Situation etwas genauer zu beobachten. Die kommenden Bäume waren voller Vögel, viele davon kreisten um etwas in vielleicht 400 Fuss direkter Linie und der Taure hatte ein merkwürdiges Gefühl. Es war, als würde da vorne etwas warten, etwas lauern und dies brachte einen Urinstinkt in Wahkan hervor… die Flucht. Der Taure nahm sein Didgeridoo vom Rücken um bewaffnet zu sein, aber folgte mit flinkem Schritt dem Umweg des Mammuts. Kazan, Narek und Lunella entschieden sich, nach einem sehr unangenehmen Ritt durch das Unterholz des Waldes vom Mammut zu steigen, während Alex immer wieder rief, dass er das Mammut einfach nicht beruhigt bekam.
Der Taure holte schon nach kurzer Zeit seine Freunde ein, diese waren doch alle überrascht über seine schnelle Entscheidung auf dem Trampelpfad abzusteigen und als Wahkan erzählte was er bisher gesehen hatte… war ihnen allen irgendwie klar, dass es sich um nichts Schönes handeln konnte. Die Gruppe entschied sich trotz allem nach dem Rechten zu schauen und begab sich auf den eigentlichen Weg ihrer Reise zurück: Bereit für alles. Lunella spürte auch dieses merkwürdige Knistern in der Luft und entschied sich früh dafür, in ihre Werkatzen-Gestalt zu verwandeln und zusammen mit Kazan nahm sie die Spitze ihrer kleinen Gruppe ein.
Umso näher die Abenteurer der vermeintlichen Stelle kamen, umso klarer wurde, dass hier etwas Schreckliches passiert sein musste. Während man aus weiter Entfernung nur einige Kutschen auf dem Weg sah, so stieg schon nach kurzer Zeit der Geruch von verwesendem Fleisch in die Nasen der Gruppe. Die hohen Bäume links und rechts des Trampelpfades machten es nicht einfacher, die Dämmerung machte es schwer zu erkennen was vorgefallen war. Umso näher sie kamen, umso stärker wurde der widerliche Geruch, die Menge an Insekten nahm zu und schon bald sahen sie alle ein wahres Ausmass an Verwüstung, eine der länge nach aufgerissene Pferdeleiche lag noch angebunden an eine der Kutschen. Die andere Kutsche stand zum Himmel auf ihren Hinterrädern, während noch Teile eines anderen Pferdes im Geschirr hingen und am Wegesrand sah man einige kleinere Leichenhaufen. Während die Gruppe langsam und vorsichtig Schritt für Schritt sich den Kutschen näherte, rasten in Wahkans Gehirn die Gedanken und die meisten davon schrien und bettelten nach der Flucht.
An den Kutschen angekommen, kniete sich Narek einmal kurz an die Leiche des ersten Pferdes und drückte seinen Finger in das schon bereits vergorene Blut und noch während er seinen Kumpanen erklärte das dieses Massaker schon mehrere Stunden her sein muss knurrte es plötzlich bestialisch aus dem Wald. Die Gedanken des Taurens waren sofort wieder bereit zur Flucht, er bettelte seine Freunde an einfach langsam und vorsichtig rückwärts diesen Ort zu verlassen, sie fänden schon einen anderen Weg… doch die Werkatze hatte ganz andere Pläne und fauchte ebenso bedrohlich zurück in den Wald. Kurz sah Wahkan ein grosses Augenpaar im dunklen Wald aufflackern, bevor sich was auch immer darin tarnte zum Angriff ansetzte und Wahkan rannte… zurück zum Mammut, zurück nach Dippi, es war egal, nur weit weg.
Narek und Kazan hatte der Scheinangriff ebenso überrascht, aber beide waren noch genug bei ihren Sinnen um auch zu bemerken das es nur eine weitere Drohung des Ungeheuers war und es rechtzeitig genug stoppte ohne aus dem Wald hervor zu brechen. Die Werkatze Lunella hingegen schien sich in ihrer Ehre verletzt zu fühlen und sprintete in den Wald bevor sie zu einem Angriff gegen das noch Unbekannte ansetzte. Die Werkatze verbiss sich im Unterarm eines Schreckenstigers, einem etwa 3 Meter grossen und 12 Meter langem Exemplar aus purem Muskel…. und Lunella riss mit ihren Zähnen sogar eine Wunde. Im ersten Moment schien die Bestie verdutzt zu sein, warum dieses kleinere Wesen es tatsächlich wagte sich zu wehren doch dann riss der kurze Schmerz der Wunde es aus seiner Trance und wie ein Mensch nach einer Fliege schlagen würde, schlug das Monstrum mit seiner Pranke nach Lunella. Traf diese an der Seite des Körpers und feuerte sie mit purer Muskelkraft gegen einen Baum, wo sich ein abstehender Ast direkt in ihren Oberschenkel bohrte und sie dadurch über dem Erdboden hielt.
Das Wackeln der Äste, die Schmerzensschreie der Werkatze riss Wahkan aus seinen Instinkten… er blieb stehen, blickte zurück in den vermutlich sicheren Tod… blickte in Richtung der vermeintlichen Sicherheit und entschied sich für seine Freunde, rannte mit ergriffenem Didgeridoo zurück in Richtung der Kutschen. Wahkan sah Kazan einige Schritte tiefer in den Wald gehen, seine Hand um den kleinen Anhänger an seinem Hals gedrückt und aus tiefer kehliger Stimme rief er in den Himmel:
„Tartos, der Standhafte, Herr der Haltung, Herr der Ordnung.
Ich bitte nicht um Sieg, ich bitte nicht um Blut.
Nur das:
Halte meinen Atem ruhig. Führe meine Hand fest. Lass mich stehen, wenn andere fallen.
Du brauchst kein Gold. Du brauchst kein Lied. Nur Schritte, die nicht fliehen.
Lass mich heute einer davon sein.“
und als er seine Hand wieder öffnete, schien der Himmel zu antworten. Wahkan kannte diese Geräusche, Kriegshörner schienen direkt über ihnen zu blasen und nach dem letzten Ton, flog etwas mit ungeheurer Schnelligkeit und Kraft auf die Erde zu und schlug direkt vor Kazan in den Boden ein. Ein Schild, ein Dreieckschild aus Eichenholz, verstärkt durch Uridium, sogar die Pfeile, die das Schild laut den Überlieferungen durchbohrt hatten, steckten genau an der richtigen Stelle. Kazan hatte durch sein Gebet ein göttliches Artefakt erhalten, um diese Situation zu meistern wie kein Zweiter, der Ork griff nach dem Schild und legte es an und plötzlich war die Welt viel ruhiger. Wahkans Puls beruhigte sich, er schien keine Angst mehr zu haben… das leise Wimmern der Werkatze, die immer noch im Baum hing, hörte auf. Lunella hatte keine Schmerzen mehr, die klaffende Wunde in ihrem Oberschenkel war noch da, aber irgendwas reinigte ihre Gedanken und so richtete sie sich durch ihre Schwerkraftmanipulation einfach auf und lief mit 3 Schritten den Baum herunter.
Der Schreckenstiger eben noch verwirrt durch die lauten Geräusche aus dem Himmel schien sich wieder zu fangen und sprang mit einem grossen Satz auf Lunella zu, doch Kazan stellte sich einfach in den Weg und blockte nicht nur den Angriff, sondern auch die Masse des Biestes mit Leichtigkeit. Wahkan mit neuem Mut, blies auf seinem Didgeridoo unterstützende Balladen, Lunella griff wann immer sie konnte Schwachpunkte des Monsters an und Kazan blockte Angriff um Angriff ohne auch nur eine Schramme ab zu bekommen und in all diesem durcheinander schaffte es Narek die eigentlich verblutende Lunella immer im richtigen Moment wieder zu heilen. Der Kampf war lang, anstrengend und sogar Wahkan schlug das eine oder andere Mal beflügelt durch die göttliche Unterstützung mit seinem Didgeridoo zu, bevor der Schreckenstiger erkannte, dass es hier keinen Sieg für ihn gab und die Flucht ergriff.
Der Schild des Tartos hat Kazan 15 physische und ähnlich viel mystische Panzerung gegeben, gleichzeitig entfernt er Angst und Schmerzzustände der Mitkämpfenden
Gerade als Kazan das Tier am flüchten hindern wollte, löste sich das Schild an seinem Arm in Luft auf, beinahe als wollte Tartos selbst den Ork an sein Gebet erinnern. Diesen kurzen Moment der Unsicherheit nutzte der Schreckenstiger um tiefer in den Wald zu fliehen, während die Gruppe noch kurz etwas ungläubig hinterher starrte und sich dann notdürftig um Lunellas Wunde kümmerte und auf die Suche nach Alex und dem Reisemammut machten. Wahkan gab noch ein kurzes Gebet an die Leichen vor Ort, dass er hoffe, dass sie erfolgreich Nyndalls Reich erreichen werden und beschloss schon im hier und jetzt, dass sie später alle ein ordentliches Begräbnis erhalten werden bevor er seiner Gruppe hinterher rannte.
Am Mammut angekommen, welches inzwischen zwischen zwei Bäumen fest steckte… diese hatten wohl nicht so einfach nachgegeben wie der Rest, erhielt Narek Alkohol zur Desinfektion von Lunellas Wunde und schmierte anschliessend eine Salbe in die Wunde… die Werkatze schrie als ob man sie gerade von innen ausbrannte und sackte irgendwann erschöpft in den Armen Kazans zusammen, welcher sie bisher hier getragen hatte, aber die Wunde war verschlossen und die Chance das Lunella verblutete war nicht mehr. Die Gruppe hatte erneut ein Problem in dieser Welt gelöst, sie waren nicht schnell genug gewesen, um die bisherigen Opfer zu retten, aber in Zukunft wird dieser Weg sicherer sein für zukünftige Karawanen.



