Erscheinungen und Flüche

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Das fellige Wesen, bei dem es sich im Übrigen um ein Reitmammut handelte, bewegte sich langsam und gediegen. Etwas 4m über dem Boden hatten es sich alle in ihren Körben bequem gemacht. Erschöpft wie sie waren, wurde in den ersten paar Stunden der Reise zunächst etwas Schlaf nachgeholt. Wahkan, der als erster erwachte, unterhielt sich etwas mit dem Tierführer Alex. Laut ihm sollten wir den ersten Teil unserer Reise, nach etwas einer Woche, abgeschlossen haben.

Alex kochte Wahkan einen Tee und bereitete sogar auf dem Rücken des Tieres ein warmes Frühstück zu. Dabei balancierte er ohne Probleme auf dem Gerüst auf seinem Rücken, das unsere vier Körbe, aber auch sämtliches Gepäck und den Proviant hielt. 

Nach und nach erwachten auch die anderen. Lunella erfuhr zum ersten Mal in ihrem Leben, wie sich ein Kater anfühlte und die anderen mussten ihr etwas auf die Sprünge helfen, was am Vorabend alles passiert war. Ein entspannter Ritt mit Tee, Stockfisch und guten Gesprächen. Als die Dämmerung einzusetzen begann, hielt Manni, der Name des Mammuts, wie zuvor von Alex angekündigt, schlagartig an, was bedeutet, dass es Zeit für die nächtliche Rast war. Alle halfen das nötigste Gepäck abzuladen und ein Lager zu errichten, während Manni sich naheliegend etwas zu fressen suchte.
Kazan wollte gerne sein Ritual vollziehen, um sich wieder etwas zu stärken und gemeinsam mit Wahkan entfernte er sich etwas vom Lager, um eine geeignete Stelle zu suchen, an der ein plötzliches mögliches Feuer wenig Schaden und Aufsehen anrichtete. Dabei entdeckte Wahkan etwas, das er für eine Art Wegmarkierung hielt und die beiden folgten dieser interessiert. 

Sie wurden zu einer kleinen Lichtung geführt, auf der drei Steinformationen mit Statuen darauf standen. Sie schienen schon sehr alt zu sein, waren von hohem Gras umgeben und moosbewachsen. Gerade als Kazan dabei war, sich eine der Statuen genauer anzusehen, erschien wie aus dem Nichts eine durchscheinende Gestalt. Ein Mann. Er murmelte etwas vor sich hin und schien nach etwas zu suchen. Als Wahkan fragte, wonach er suchte, sagte er: „Das richtige Rohr. Welches war das richtige Rohr?“ Und kurz darauf verschwand er wieder. Überrascht und verwirrt, riefen die beiden Narek und Lunella dazu.
Die Gruppe nahm zusammen die Statuen genauer unter die Lupe. Lunella entdeckte, dass die Rohre sich öffnen liessen und in jedem steckte eine Nachricht.

In der Ersten stand:

In der Zweiten:

Und in der Dritten:

Bei diesen Statuen musste es sich um eine Art alten Briefkasten handeln. Und diese Nachrichten lagen hier Jahrhunderte ungelesen.
Die Erscheinung tauchte kurz danach wieder auf und verhielt sich genau wie zuvor. Reagierte jedoch auch weiter auf Fragen. Lunella glaubte zunächst, er sei hier auf der Suche nach einer der Nachrichten, doch dann stellte sich heraus, dass er zu Lebzeiten einen der Briefe hierher gebracht haben musste. Er wusste nicht mehr, in welches Rohr der Brief gehörte. Auch seinen eigenen Namen kannte er nicht mehr. Nur dass er dringend weg musste, das wusste er. Es war, als handelte es sich hierbei um eine Art bruchstückhafte Erinnerung dieser Person.

Durch Nachfragen, fand die Gruppe heraus, dass es sich hierbei um Caelen handeln musste, den Verfasser der dritten Botschaft. Sie verwiesen ihn auf das korrekte Rohr und als er in dieses seine Botschaft steckte, fiel plötzlich ein Stück Stein aus der Statue heraus. In dem Loch, das nun in der Statue war, fand Lunella einen Lederbeutel mit einem Kamm darin. Er war handgefertigt und verziert aus einer Art Horn und wirklich ein schönes Stück. Vielleicht war er einmal für Elara bestimmt gewesen, der Frau, an die Caelens Brief gerichtet war. Lunella steckte sich den Kamm ins Haar und die Gruppe sieht ihn als eine Dank dafür dass sie sich die Zeit genommen haben Caelen zu helfen.

Gerade als sie wieder zum Lager zurückkehren wollten, fiel Lunella ein, dass sie ihnen noch nicht von der Treppe unter der Schiffswrackinsel erzählt hatte, bzw. was am Ende dieser Treppe war. Seit sie sich zurückverwandelt hatte, hatten sie einfach noch keinen einzigen ruhigen Moment allein gehabt. Es war einfach so viel auf einmal passiert und sie wollte es den anderen auch nicht vor Alex erzählen. Am meisten war wohl Narek überrascht, der ja verletzt gewesen war und noch überhaupt nichts von der Falltür oder Treppe dahinter gehört hatte.

Nachdem Lunella die ziemlich lange, recht schmale Treppe hinabgestiegen war, fand sie sich vor einem Torbogen wieder. Dieser war allerdings zugemauert worden. Sie konnte keinen Durchgang finden, lediglich ein kleines Loch durch das sie einen Blick werfen konnte. Sie war gezwungen, ihre Laterne zu löschen, konnte aber dank ihrer guten Katzenaugen tatsächlich etwas erkennen. Hinter der scheinbar ca. 1m dicken Mauer befand sich ein grosser Raum, in dem Lunella etwas ausmachen konnte, das wie ein grosses Zahnrad aussah. Auch ein Geräusch, das nach einem Uhrenticker klang, war zu hören. Nun stellte sich die Frage: Befand sich irgendwo unter Dippi eine Art riesiger Mechanismus? Und hatte die Konklave etwas damit zu tun?
Mit diesen Fragen ging der Tag zu Ende. Alex hatte der Gruppe inzwischen eine Suppe zum Abendessen gekocht und danach wurde sich nach und nach schlafen gelegt.

Am nächsten Morgen ging die Reise weiter. Während alle Manni wieder beluden, zog es Kazan noch einmal zurück zu den Statuen. Die Menschen für die diese Briefe waren würden die letzte Nachricht von ihren liebsten niemals lesen. Dies hatte ihn an seine Mutter erinnert. Das sie fort war und das er keine Chance mehr hatte ihr eine Abschiedsnachricht zu hinterlassen. Für sie war er einfach verschwunden. Hatte ihr gebrochenes Herz, über den Verlust ihres Sohnes, sie vielleicht sogar das Leben gekostet? Eine tiefe Welle von Trauer und Schuld überkam Kazan und stumme Tränen rannen über sein Gesicht. Die Lichtung um Kazan schien sich zu verändern als würde sie seine Trauer teilen. Die Bäume neigten sich und alles schien trüber und kalt zu sein. Bevor er die Lichtung wieder verlliess flüsterte er noch: „Ich mach dich stolz, Mama.“

Kazan macht sein Ritual zum ersten Mal auf die Sphäre Tod, statt Feuer. 

Währenddessen hatte sich Lunella tiefer in das Kontor begeben und hatte die Zellen gefunden, insgesamt gab es 5 Gefangene in zwei Zellen und nachdem die junge Dame den Namen Garrun erwähnte, richtete sich einer der Gefangenen auf, der perfekt zu der Beschreibung der Seebärin passte weshalb die junge Bestienwandlerin sofort damit begann das Schloss der Zelle zu knacken, leider hatte sie kein geeignetes Werkzeug und ein Zellenschlüssel war auch weit und breit nicht zu sehen.

Am dritten Tag unserer Reise fiel Alex ein kleines Dorf auf und wir näherten uns, um Vorräte aufzufüllen. Seltsam war, dass lediglich bei einem der Häuser Rauch aus dem Schornstein aufstieg.
Das Dorf schien gerade zu verlassen. Niemand war auf den Strassen und alles war ruhig. Kazan sprang direkt vom Mammut und Narek folgte ihm. Die beiden gingen los, um sich umzuschauen, und vor dem Haus, von dem als einziges Rauch zu sehen war, fanden sie einen alten Mann. Als Narek ihn ansprach, deutete er auf einen Brunnen. Narek sah sich den Brunnen genauer an. Er war fast bis oben hin mit Wasser gefüllt, aber irgendetwas stimmte nicht. Es wirkte, als würde das Wasser im Brunnen nach oben fliessen, aber nicht, als würde es steigen. Er streckte die Hand aus, um das Wasser zu berühren. Es fühlte sich so kalt an, dass ein stechender Schmerz seine Hand durchzog. Mehr als 5 Sekunden hielt er es nicht aus, dann musste er sie herausziehen. Seine Hand war stark gerötet. Das war definitiv zu kalt für normales Brunnenwasser.
Irgendwann kommen Lunella und Wahkan dazu.

Narek versucht noch mal mit dem alten Mann zu sprechen. „Würdet ihr mir eure Geschichte erzählen?“ fragte er. Doch der Mann reagierte immer noch nicht. Als Wahkan gerade versucht abzuschätzen, wie tief der Brunnen ist, in dem er sein Didgeridoo hinein taucht, erkennt er, dass sich etwas Glänzendes im Wasser befindet.
Plötzlich fängt der alte Mann, doch an zu sprechen. Mit leiser zittriger Stimme erzählte er etwas von Kindern, die verschwunden waren, nachdem sie eine Stimme aus dem Brunnen gehört und das Wasser berührt hatten. Daraufhin seien alle anderen Menschen im Dorf fortgezogen. Nur der alte ist geblieben, weil er die Kinder nicht allein lassen wollte.
Lunella bietet ihm etwas aus ihrem Wasserschlauch an und er nimmt dankbar mit zittrigen Händen einen Schluck.

Wahkan verkündet, dass er es schaffen könne, den Gegenstand unten im Brunnen zu erreichen. Der riesige Taure taucht mit seinem Oberkörper in das Wasser ein und die anderen halten ihn von draussen fest, damit er nicht hinein fällt. Die Kälte erfasst ihn und als er es gerade geschafft hat, den Gegenstand zu fassen, verliert er das Bewusstsein. Mit vereinten Kräften schaffen die anderen es, ihn wieder herauszuziehen. Zurück auf dem Trockenen öffnet Wahkan die Augen, den mysteriösen Gegenstand in der Hand. Es handelte sich dabei um einen Eisenspiegel. Kreisrund, sehr dünn und perfekt gearbeitet. Im nächsten Moment ist der Brunnen von Kindern umringt. Sie waren durchscheinend, wie die Gestalt, die ihnen vor zwei Tagen begegnet war. Keines bewegte sich, keines sprach. Sie standen nur da und starrten auf den Brunnen. Wahkan, der schon mehr Erfahrung mit solchen übernatürlichen Dingen zu haben schien als der Rest der Gruppe wusste, dass es sich hierbei um einen Fluch handeln musste. 

Wahkan würfelt auf seine Fertigkeit, Geisterwelt und erfährt, dass es sich um einen Fluch handelt und auch, dass er Salz und kaltgeschmiedetes Eisen braucht, um den Fluch zu brechen.

Sofort geht er zu Alex, um sich das Salz von den Reisevorräten zu holen. Er fragt auch ob Alex etwas aus Eisen hat, was dieser jedoch verneint. Nach einigen Überlegungen woher sie Eisen bekommen könnten, hatte Kazan die rettende Idee. Sie nutzen Eisennägel aus Brettern, mit denen die Fenster vor den verlassenen Häusern vernagelt wurden.
Wahkan kniete sich vor den Brunnen und begann ein kleines Ritual zu vollziehen. Er kratzte mit den Eisennägeln in die Oberfläche des Spiegels und rieb etwas von dem Salz hinein. Mit den Worten: „Salz nimmt auf, was unrein ist. Eisen weist zurück, was nicht willkommen ist. Gemeinsam brecht ihr die Fesseln, die kein Sterblicher schmiedete“, warf er den Spiegel zu Boden, welcher zerbrach.

Die Kinder verloren schlagartig ihr geisterhaftes Äusseres und waren plötzlich wieder aus Fleisch und Blut, bevor sie zu Boden fielen und bewegungslos liegen blieben. Sie waren bewusstlos und fühlten sich eiskalt an, aber sie lebten. Stück für Stück brachten wir die Kinder in das Haus des alten Mannes, um sie vor dem Feuer aufzuwärmen. Während Wahkan mit den Nachwirkungen seiner guten Tat zu kämpfen hatte. Den Fluch zu brechen hatte nämlich sehr an seinen Kräften gezehrt.
Nach und nach wurden die Kinder wach, fragten, wo sie waren oder nach ihren Eltern. Sie schienen keine Erinnerung an die Zeit ihres Verschwindens zu haben. Narek führte nun auch den alten Mann ins Haus. Als die Kinder ihn erkannten, eines von ihnen schien sein Enkelkind zu sein, liefen sie sofort auf ihn zu und er nahm eines nach dem anderen in die Arme.
Er beschloss gemeinsam mit den Kindern das Dorf zu verlassen. Und ihren Eltern nachzureisen. Als Dank für ihre Heldentat vermachte er unserer Gruppe sein Haus und alles, was darin war.