
In der Kutsche war es recht eng, obwohl Kazan ja schon hinten mitfuhr. Ich saßs neben der geheimnisvollen Dame und zum ersten Mal konnte ich sie etwas besser aus der Nähe betrachten. Ich muss sagen, sie ist ziemlich hübsch, aber dieser eiskalte Blick, mit dem sie uns alle bedachte, lässt einem Schauer über den Rücken laufen. Dru begann ihr Fragen zu stellen. Wie sie hießs, wo sie herkam und so weiter. Die Dame meinte, wir sollten sie nur Operator nennen, verriet uns allerdings, dass sie nicht wie wir aus Dippi stammte. Ansonsten waren ihre Antworten, genau wie ihre Blicke, kurz, kalt und irgendwie herablassend.
Trotzdem reizte es mich, irgendwie mit ihr zu reden und sei es auch nur, um die peinliche Stille in der Kutsche weiter zu füllen. Als wenn er diese noch schlimmer machen wollte, fing Kazan zwischendurch an, auf dem Dach zu trommeln und schlief später sogar ein. Sein Schnarchen war durch die ganze Kutsche zu hören und Stephanos schloss sich ihm irgendwann an. Ich wünschte mir die Stille zurück.
Zum Glück kamen wir irgendwann doch an unserem Zielort an. Der Leuchtturm. Ja, der selbe Leuchtturm von letzter Nacht. Offensichtlich hatten wir unsere Aufgabe nicht zufriedenstellend gelöst und waren nun hier, damit ein erfahrener Operator uns zeigen konnte, wie man das richtig macht. Wir waren weit vor dem Abend vor Ort. Operator setzte sich auf eine kleine Mauer und begann stumm den Leuchtturm zu beobachten. Wieder bekommen wir auf unsere Fragen keine genauen Antworten. Eine Weile beobachten wir gemeinsam den Leuchtturm. Nur Kazan beschließst, sich die Zeit allein am Strand zu vertreiben. Besorgt, er würde wieder ein Feuer entfachen, sah ich zwischendurch kurz nach ihm. Ein einsamer Ork in feiner Kleidung am Strand, gibt einen recht skurrilen Anblick. Dru versuchte, sich die Zeit zu vertreiben, indem sie aus Steinen Buchstaben, die sie gesehen hatte, nachzulegen und auch ich versuchte es mal. Die Wartezeit verging wirklich sehr langsam. Irgendwann fing ich an, den Operator genauer zu beobachten, da ich am Leuchtturm absolut nichts entdecken konnte. Und mir fiel auf, dass ihre Augen sich die ganze Zeit leicht bewegten. Sie starrte nicht nur stumm geradeaus.
Wahrnemungsprobe Geschafft! ^^
“Du beobachtest etwas. Was ist da, das wir nicht sehen?” fragte ich. Sie sah mich an und zum ersten Mal war da ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht und ich wusste, dass ich mit dieser Vermutung Recht hatte. Kurz sah ich in ihren Augen etwas aufblitzen. Es war, als würden kleine blaue Lichtpunkte vor dem Schwarz ihrer Augen tanzen. Sie meinte, sie könne mir das nicht erklären. Dass sie mir keine Farbe beschreiben kann, die ich noch nie gesehen habe.
Ich vermute ja, sie hat die magische Fähigkeit “Magie Erkennen” oder Ähnliches
Wir alle starrten weiter auf den Turm und die Zeit verging quälend langsam. Plötzlich springt Operator auf und geht weiter auf den Turm zu. Es war inzwischen kurz vor 20 Uhr, die Zeit als das Phänomen beim letzten Mal aufgetreten ist. Sie starrte hoch zur Turmspitze und diesmal konnte auch ich dort oben etwas erkennen. Eine Bewegung. Erst dachte ich, es sei nur ein Vogel, aber nein, auf dem Turm war jemand! Operator nahm ihren Sonnenschirm und stampfte ihn einmal auf den Boden. Im selben Moment ging das Licht im Leuchtturm an. Sie streckte ihre Hand nach vorn und ich kann nur vermuten, dass sie irgendeine Art von Magie benutzt hat.
Zuvor hat Operator zu Dru etwas gesagt, was Lunella nicht gehört hat. “Ihnen wird nicht gefallen, was ich jetzt tue.”
Aus dem Turm begannen geisterhafte Gestalten hervorzuschießsen. Dru, Kazan und Stephanos nahmen sofort den Kampf auf. Jedoch hatten zunächst weder Dru’s Blitzkugeln, noch Kazan und Stephanos Nahkampf-Attacken Erfolg. Im Glauben, mich gleich verwandeln zu müssen, werfe ich mit Nareks Hilfe die obere Schicht meines Kleides ab. Ich bevorzuge wirklich Kleidung, die sich schnell ablegen lässt, weil sie sonst beim Verwandeln kaputt geht. Auch mit dem Korsett darunter musste Narek mir helfen.
Während wir damit zugange waren, gelang es Dru, einige der Geister mit Luftstößsen zurückzuwerfen, doch Kazans Faustschläge trafen weiter ins Leere. Nachdem ich bis auf die unterste Schicht alle Kleidung losgeworden war, gab Narek uns die Anweisung, Operator zu schützen. Sie stand noch genauso da wie zuvor und was immer sie tat, anscheinend brauchte sie Zeit. Ich stellte mich vor sie um mich zu verwandeln. Leider klappt es manchmal nicht sofort und so brauchte ich zwei Anläufe.
Ich habe meinen ersten Wurf für die Bestiengestalt verkackt. Beim zweiten Mal habe ich Force benutzt, dann hat es funktioniert. Force ist so wichtig Leute. Seid nicht wie ich. Nutzt mehr Force XD
Währenddessen schafften es die anderen, nun endlich Schaden zu machen und sogar einige der Geister zu vernichten. Anscheinend waren bestimmte Geister nur mit magischen und andere nur mit physischen Angriffen verwundbar. Ein Geist schoss auch auf mich zu und nachdem ich ihn mit meinen Klauen verfehlt hatte, schaffte ich es, ihn mit dem Maul zu packen und ihn regelrecht zu zerbeisßen.
Unsere Gegner hatten es jedoch eindeutig nur auf Operator abgesehen. Sie schossen durch sie hindurch, was ihr eindeutig Schmerzen zufügte. Narek begann sie zu stützen, da sie sich nach kurzer Zeit kaum mehr auf den Beinen halten konnte. Rief mir dann aber zu, ich solle übernehmen, also tat ich genau das. Ich hielt sie mit einem Arm, immer noch bereit auf jeden Geist loszugehen, der sich näherte. Der Kampf ging so eine Weile weiter. Dru warf Blitzkugeln, Kazan und Stephanos kämpften mit bloßsen Fäusten und hatten Erfolg damit. Und nachdem Narek sich in den Kampf gestürzt hatte, dachte ich, ich hätte gesehen, dass er auch leicht katzenhafte Züge angenommen hatte. Ich muss ihn unbedingt darauf ansprechen, was das war.Ich schaffte es ebenfalls, einen weiteren Geist zu zerfetzen, bevor er Operator schaden konnte. Plötzlich wurde es wieder dunkel. Alle Geister verschwanden. Der Leuchtturm kehrte wieder zu seinem alten zerfallenen selbst zurück. Operator brach in meinen Armen zusammen. Was immer sie getan hat, es schien vorbei zu sein. Kraftlos sagte sie mir, ich solle den “Ankergegenstand” finden. Immer noch in meiner Katzengestalt stürmte ich auf den Turm zu. Mir war klar, was immer sie meinte, es konnte nur an einem Ort sein. Ganz oben auf dem Turm, wo ich am Anfang etwas gesehen hatte. Ich nutzte meine Magie, um am Turm nach oben zu laufen und stellte fest, dass Kazan mir folgte. Er kletterte wie ein Besessener hinter mir den Turm nach oben. Es war eigentlich echt beeindruckend, aber ich hatte in dem Moment keine Zeit mich damit zu beschäftigen.
Kazan hatte während des Kampfes seine Fähigkeit Berserker eingesetzt, die ihn in eine Art Kampfrausch versetzt und stärker macht. Er ist Lunella nachgestürmt, weil er quasi noch in diesem wütenden Kampfmodus gefangen war. Oben auf dem Turm hat Berserker nachgelassen. Um dann wieder runterzuklettern hat er eine wahnsinnig akrobatische Leistung abgeliefert von der Lunella aber nichts mitbekam.
Auf dem Turm angekommen, sah ich mich um und das einzige, was mir auffiel, war eine Öllampe, die anders als alles andere brandneu aussah. Das musste es sein, oder? Ich griff die Lampe und verließs den Turm, wie ich draufgekommen war. Mit Abstand zu Kazan, weil ich nicht sicher war, was in ihn gefahren war. Auf meinem Weg zurück zu den anderen wurde die Lampe alt und rostig. Erschöpft kehrten wir alle zum Uhrenturm zurück. Unsere Kutsche war nach der Ankunft wieder weggefahren und so mussten wir diesmal laufen. Operator wurde auf dem ganzen Weg abwechselnd von uns gestützt und ich verwandelte mich irgendwann zurück und warf mir das zuvor ausgezogene Kleid wieder über. Beim Uhrenturm angekommen, brachten wir Operator in eines der Betten und ich entschuldigte mich bei ihr. Ich hatte das Gefühl, hätten wir unsere Aufgabe besser erledigt, wäre sie jetzt nicht so schwer angeschlagen. Sie übergab mir daraufhin Stumm die Öllampe, die sie bis dahin getragen hatte, bevor sie einschlief.
Ich kann noch nicht erklären, warum. Aber es fühlte sich an, als hätte sie mir etwas Mächtiges anvertraut.


