Der Tag des Fangs

Nachdem das Wesen das Buch an sich genommen hatte, wandte es sich von Narek ab und in Richtung Kazan. Wie zuvor bei den Kultisten, streckte es eine Hand aus und griff regelrecht in ihn hinein. Durch seine Kleidung, seine Haut und zog einen silbernen Faden hervor. 

Kazans Herz stand still. Als hätte mit dem Faden das Leben seinen Körper verlassen, ohne wirklich fort zu sein. 
Das Wesen streckte die zweite Hand aus und zupfte an dem Faden wie an der Seite eines Instruments und brachte ihn zum schwingen.

Kazan fand sich in diesem Moment auf einem grossen Plateau wieder. Eine riesige Menge vor sich, welche sich, eine Treppe hinauf, auf ein gigantisches Tor zu bewegte.  
Unter all diesen Personen… Menschen, Orcs, Tauren und mehr… entdeckte Kazan eine, die ihm mehr als bekannt vorkam. (Dramatische Pause) Seine Mutter. 

In diesem Moment schlug sein Herz wieder und ein tiefer Schmerz durchfuhr ihn.

Von all dem bekamen die anderen nichts mit. Während für sie nur wenige Sekunden verstrichen waren, waren es für Kazan gefühlte Stunden.
Das Wesen liess den Faden in seinen Körper zurück gleiten und  löste sich dann wortwörtlich in Luft auf. Kazan fällt mit knirschenden Zähnen und schmerzverzerrtem Gesicht auf die Knie.
Narek sah den Schmerz und Schock in Kazans Augen. „Geht es dir gut?“ fragte er und Kazan berichtete allen kurz von dem Ort, den er gesehen hatte, dass er glaube, es sei das Totenreich gewesen und dass er seine Mutter dort gesehen hatte. 
Am Ende verliessen alle gemeinsam die Krypta wieder und die Frau mit dem kalten Blick hatte tatsächlich gewartet. 

Wahkan zertrümmerte den Schrein, um den Eingang für immer zu verschliessen und die Gruppe machte  sich auf den Heimweg. Dieser dauerte die ganze restliche Nacht und unterwegs begann unsere düstere Begleitung, das erste Mal, sich etwas zu öffnen. 
Sie verriet uns nicht nur ihren echten Namen… Eryndis… sondern auch wie sie Teil der Konklave geworden ist. Vor 13 Jahren waren ihre Eltern auf geheimnisvolle Weise umgekommen und sie ist der Konklave beigetreten, um dieses Geheimnis aufzuklären. 
Genau wie wir, erfüllt sie Aufträge und bekommt dafür Fragen beantwortet. Doch mit der Zeit ist sie auf der Suche nach Antworten müde geworden. Sie meinte, je weiter man eintauche, desto mehr Fragen stelle man sich. Und am Ende fühlt sie sich bei dem was sie tut, an als würde sie Löcher in einem Netz flicken, das nie ganz repariert werden kann. 

Sie erwähnte ausserdem, dass jeder in der Konklave eine Aufgabe habe und unsere Gruppe sei für die groben Aufträge zuständig. Aufträge, die Gewalt erfordern. Es gab wohl vor uns andere, die dafür zuständig waren, doch könne sie sich nicht mehr an sie erinnern. Leute, die die Konklave verlassen, werden mit der Zeit einfach vergessen. 
Sie begleitet uns bis zurück zum Uhrenturm, wo Kazan Lunella bitte einmal unbemerkt nach seiner Familie zu sehen. Narek interveniert und erinnert die anderen daran, dass es verboten ist, mit ihren Familien oder sonst ihrem früheren Leben in Kontakt zu treten. 

Als die Gruppe endlich in die Sicherheit des Uhrenturms zurückgekehrt war, behandelte Narek zunächst Lunellas und Kazans Wunden, bevor sie etwas Zeit haben das Geschehene zu verarbeiten. Besonders das schattenhafte Wesen hatte sich allen eingebrannt. Und die Erkenntnis… hätte es einem von ihnen oder jemandem in der Stadt etwas tun wollen, hätten sie es nicht aufhalten können. 

All diese negativen Gedanken machen das Einschlafen schwer, am Ende gelingt es ihnen aber doch. 
Als Wahkan unsanft erwachte, sah er, dass Kazan wohl mehr trainiert als geschlafen hatte. Er war als einziger wach. Womöglich wachgehalten durch die Sorge um seine Mutter. 
Wahkan bietet ihm an, für seine Mutter die Sterne zu deuten und die beiden verlassen deshalb den Uhrenturm.
Vorher holt Kazan sich noch von einem der Bewahrer einen weiteren Schlüssel, damit die beiden später auch wieder hereinkommen.

Draussen erkannten sie, dass es früher Abend war. Die Gruppe hatte den Uhrenturm am frühen Morgen erreicht, sie hatten also den ganzen Tag über geschlafen. Wohl zurecht, nach all dem, was sie erlebt hatten.

Die beiden begaben sich in die Hafengegend. Und Kazan fand in Wahkan einen neuen Gesprächspartner zum Thema Kisten. 

Die beiden liessen sich am Pier nieder und warteten, dass es dunkel genug wurde und die Sterne sich zeigten. Kazan nannte Wahkan den Namen seiner Mutter, damit er eine Sterndeutung durchführen konnte. 

Wahkan sieht etwas über einen grossen Verlust, aber auch einen Neuanfang. Er glaubt, dass Kazan recht hat mit dem, was er gesehen hat und dass seine Mutter das Totenreich betreten hat. Die beiden teilen einen kurzen Moment der Verbundenheit und des Vertrauens. 

Anschliessend machten sie sich zum Strand auf, mit dem Plan gemeinsam zu trainieren. Dazu kamen sie jedoch nicht, denn als die dort ankamen war dieser mit einer grossen Menschenmasse befüllt. Fast 200 Leute mussten es gewesen sein. Musik war zu hören und beim näherkommen sahen sie, dass der Strand mit Blumen geschmückt und mit Fackeln übersät war. Mehrere kleine Boote lagen an, die ebenfalls geschmückt waren. Personen, gekleidet in blauen Roben, übergossen andere aus Schalen mit Wasser und verteilten geflochtene Kränze aus Seetang und Muscheln. Auch Kazan und Wahkan bekamen Kränze überreicht. Auch wenn Wahkans nicht ganz über seine Hörner passte. (Ein amüsantes Detail. Liess es also vielleicht mit einem leichten Lachen in der Stimme.)

Die kleinen Boote wurden nach und nach aufs Wasser hinaus geschickt, Blitze durchzucken, den Himmel und die Leute jubelten. 

Während die beiden beobachteten, machte Kazan sich Sorgen, dass sie quasi eine private Feierlichkeit betreten hatten. Eine Feierlichkeit, die scheinbar Thalmor, dem Gott des Meeres, gewidmet war. Einem Gott, mit dem Kazan sich nicht wirklich verbunden fühlte. 

Doch Wahkan erkannte, dass hier scheinbar jeder willkommen war, weshalb er sich entschloss, noch näher ans Wasser zu gehen, um einen besseren Blick zu haben. 

Nachdem das letzte Boot auf dem Wasser war, betraten mehrere Verdalkenfrauen den Strand, nur bekleidet mit Perlenschnüren. Sie liefen nach den Booten aufs Meer hinaus. Und dabei liefen sie wirklich auf dem Meer. (Betonung auf AUF) Sie schienen auf der Wasseroberfläche zu laufen. Die Masse an Zuschauern drängte sich näher ans Wasser. Einige traten sogar bis zu den Knien hinein, als sie Verdalken anfingen, auf dem Meer zu tanzen und zu singen. Kleine Lichtpunkte begannen aus dem Meer aufzusteigen und erleuchteten die Wasseroberfläche. 

Wahkan fragte jemand neben ihm, was das hier eigentlich für ein Spektakel war.  „Sie rufen die Geschöpfe des Meeres, damit sie uns dieses Jahr einen guten Fang bescheren.“ meinte dieser. Das was sich hier abspielte war nämlich der sogenannte „Tag des Fangs“.

Nach etwa einer halben Stunde beendeten die Verdalken ihren Tanz und versanken anschliessend einfach im Meer. Die Leute bespritzten sich gegenseitig mit dem leuchtenden Wasser. Sogar Wahkans nasse Kleidung leuchtete. Das Fest neigte sich dem Ende zu und er und Kazan beschlossen, ihr geplantes Training auf einen anderen Tag zu verschieben und erstmal zum Uhrenturm zurückzukehren. 

Inzwischen waren auch Lunella und Narek wach und Wahkan und Kazan berichteten von ihrem Erlebnis. 

Lunellas Beinwunde verheilte nur langsam und Wahkan erwähnte wie die Bewahrer ihn nach Cealens angriff wieder geheilt hatten. Mit ihren Zungen. Lunellas Neugier besiegte ihren Ekel vor dieser vorstellung und so ging sie nach oben um einen der Bewahrer zu bitten ihre Beinwunde zu heilen. Was er tat. Mit seiner Zunge. Schnell. Effizient. Und nur ein wenig unangenehm. 

Nachdem das erledigt war, erstatteten alle den Bericht über das Ende ihres letzten Auftrages. 

Bis zu ihrem nächsten Auftrag hatten sie nun etwas Zeit. Ganze 2 Wochen dauerte es, bis der Sprecher sie wieder mit einer Aufgabe betraute. Angeblich gab es Ärger am alten Hafen.

Alle packen ihr Zeug zusammen und Narek holt sich noch bei einem der Bewahrer eine Laterne als zusätzliche Lichtquelle. Dann macht sich die Gruppe auf den Weg Richtung Hafen.

Dort angekommen entdecken sie etwas, das für grosse Aufregung sorgt. Eine grosse Masse, die ein ganzes Ende vom Ufer entfernt im Wasser treibt. Es hatte ein bisschen was von einer Insel, die scheinbar aus dem Nichts über Nacht aufgetaucht war. 

Sie konnten beobachten, wie ein Schiff sich dem Hafen näherte, dann jedoch kehrt machte und in Richtung der Insel fuhr. Es fuhr direkt auf sie zu, bis es auflief. Doch auch direkt an der Insel stoppte es nicht. Es schien auf die Insel rauf zu fahren, bis es ganz oben stehen blieb. Oben auf war nur noch der Mast des Schiffes zu sehen und er war nicht allein. Dort hatten sich schon eine Menge Masten gesammelt. 

Die Schaulustigen hatten viele Theorien, um was es sich handeln könnte. Die meisten vermuteten, dass etwas oder jemand Thalmor verärgert hatte. Andere machten die Verdalken verantwortlich. Diese wiederum dachten, es sei ein Trick der Handelshäuser, um dem alten Hafen zu schaden. 

Das würde es auf jeden Fall. Ein weiteres Schiff näherte sich und drehte dann in Richtung neuer Hafen ab, um der Gefahr aus dem Weg zu gehen. Es war eindeutig Gefahr im Verzug, denn wenn keine Handelsschiffe hier einliefen, bedeutete dies für die Leute die hier lebten und arbeiteten, den Hungertod.