
Nachdem der Mann sich wieder umgedreht hatte, fragte Kazan, ob jemand Narek helfen könne, der gerade blutend auf dem Boden lag. Der Mann sagte nur: „Kümmert euch darum.“ Wie ein Blitz stürzten sich sieben der Bewahrer auf Narek und fingen an, ihn abzulecken.Für die einen mag dies nun ein lustiger Anblick sein, für Narek war es eher übergriffig, vielleicht sogar noch mehr. Als Narek unter den Bewahrern begraben war, sagte Kazan nur zu dem Mann: „Geht das nicht ein bisschen netter?“ Der Mann antwortete daraufhin nur: „Mhm.“
Narek wurde von diesen Bewahrern etwa zehn Minuten lang am ganzen Körper abgeleckt. Danach standen sie wieder auf, gingen weg und standen dort, als wäre nichts gewesen. Als Narek sich von den übergriffigen Bewahrern wieder etwas berappelt hatte, sagte der Mann: „Können wir dann?“
Narek rappelte sich auf und unterhielt sich mit dem Mann. Dem Anschein nach mussten sie etwas holen, um den Sprecher zu reparieren. Zudem sei der Zustand von Dippi so instabil wie schon lange nicht mehr. Der Mann sagte Narek, sie sollten sich zunächst Rüstungen kaufen. Danach sollten sie nach Osten zum Handelsposten gehen und dort Jurai aufsuchen. Ausserdem müssten sie ausserhalb der Stadt für ein paar Tage reisen, und es solle schnell gehen. Er würde eine Skizze anfertigen, auf der zu sehen sei, wohin es gehe. Narek nickte nur. Der Mann fragte noch einmal, wohin sie gehen sollten. Narek antwortete: „Zum Osttor, zum Handelsposten und dann zu Jurai.“ Er fragte, wie lange Lunella noch in dieser Gestalt bleiben würde. Narek sagte: „Eine Stunde, vielleicht zwei.“ Daraufhin schaute der Mann Lunella an.
Unter lautem Knochenknacken verwandelte sie sich zurück in ihre menschliche Gestalt, splitterfasernackt, wie sie geboren worden war. Kazan warf ihr nur sein Jackett über. Der Mann drängte sehr unsanft zur Eile. Daher eilten Lunella und Narek nach unten, damit Lunella sich anziehen konnte. Als alle wieder im Raum des Sprechers waren, hörten sie den Mann im Nachbarraum fluchen. Er schrie gerade einen Bewahrer an und sagte ihm, wie nutzlos er sei. Die vier gingen auf den Markt, um eine etwas bessere Rüstung und normale Kleidung für Lunella zu kaufen.
Nach dem Einkauf kehrte die Gruppe in die Konklave zurück. Der Mann war immer noch im Raum beschäftigt. Als die Gruppe hineinging, sagte er: „Noch zehn Minuten.“ Also warteten sie auf den Mann, während Kazan nach unten ging, seine andere Kleidung holte und Lunellas Kleider wegbrachte. Der Mann gab Narek vier Seiten Pergament mit gut gezeichneten Bildern und Text. Lunella wies den Mann darauf hin, dass keiner der vier lesen könne. Der Mann schaute wie vom Blitz getroffen und fragte nur: „Ist das ein Witz?“ Narek sagte: „Nein.“ Nach einigem Fluchen befahl der Mann einem Bewahrer, ihnen zu folgen und alles zu tun, was sie ihm befahlen.
Danach schickte der Mann sie los. Narek befahl dem Bewahrer: „Folge mir“, und ging los. Er blieb vor Wakan stehen, der auf der Treppe sass. Der Bewahrer lief von hinten in Narek hinein. Nachdem Wahkan Platz gemacht hatte, ging Narek die Treppe hoch und öffnete die Tür, während der Bewahrer erneut in ihn hineinlief. Narek ging nach draussen, doch der Bewahrer blieb in der Tür stehen, als könne er nicht nach draussen gehen. Wahkan griff den Bewahrer und ging mit ihm nach draussen. Daraufhin wuchs der Bewahrer und wurde breiter, sodass er am Ende aussah wie Wakan, jedoch mit einem dümmlichen Gesichtsausdruck.
Nach etwas Hin und Her gingen die vier dann in Richtung Osten durch das untere Viertel und kamen am späten Nachmittag, beziehungsweise schon fast am Abend, am Handelsposten an. Auf dem Weg dorthin fiel auf, dass der Bewahrer permanent versuchte, Wahkan zu imitieren. Auch wenn Wahkan redete, bewegte der Bewahrer-Wahkan seinen Mund, ohne etwas zu sagen. Am Handelsposten herrschte immer noch reges Treiben, als wären Tag und Nacht nicht von Belang. Am riesigen Dockturm hatten zwei grosse Flugschiffe festgemacht, die gerade entladen wurden. Die vier und der Bewahrer blieben erst einmal überwältigt stehen und schauten sich das Treiben an.
Nachdem sie sich etwas berappelt hatten, fragte Narek sich nach Jurai durch. Dabei kamen sie an einer offensichtlichen Taverne vorbei, aus der Musik tönte. Wakan wollte unbedingt sofort in die Taverne. Kazan und der Bewahrer schlossen sich ihm direkt an. Somit gingen Narek und Lunella in das grosse, lange Haus und fragten sich durch, bis sie letztendlich vor einer Tür im zweiten Stock standen. Als Narek klopfte, öffnete ein grosser Mann. Er war für einen Menschen sehr gross, etwa 2,50 Meter. Seine Augen waren seltsam, vielleicht wirkten diese aber auch nur wegen seines etwas lang gezogenen Gesichts so. Auffällig waren zudem seine extrem langen Arme. Nachdem Narek ihm erklärt hatte, wer sie geschickt hatte, und ihm die Taschenuhr gezeigt hatte, liess er die beiden herein und bot ihnen Tee an. Sie unterhielten sich über die Reise, darüber, dass sie nicht reiten konnten und dass sie circa eine Woche unterwegs sein würden. Der Mann flirtete offensichtlich und sehr vulgär mit Lunella, die anscheinend etwas abgeneigt war. Der Mann sagte, in circa acht Stunden hätte er alles. Er würde dann in die Taverne kommen, um die Gruppe abzuholen. Daraufhin gingen Narek und Lunella ebenfalls in Richtung Taverne.
In der Zwischenzeit ging Wahkan in die Taverne, gefolgt von Kazan und dem Bewahrer-Wahkan. Sie setzten sich an einen Tisch. Die Taverne war gross. In der Mitte grillte eine komplette Kuh über dem Feuer, und eine Band spielte Musik. Diese Taverne war offensichtlich gut besucht und für viele Karawanen, Händler sowie Dockarbeiter der Haupttreffpunkt im Handelsposten. Nach einiger Zeit kam ein kräftiger Mann zum Tisch, und die drei bestellten Essen und Bier. Die Zeit verstrich, und der Tisch füllte sich mit den Teilnehmern eines Junggesellenabschieds, wie sich später herausstellte. Die drei waren mittlerweile mit dabei. Kazan würfelte mit einem der Beteiligten, und alle feierten und tranken um die Wette.
Als Narek und Lunella in die Taverne kamen, hatten sie erst einmal Schwierigkeiten, die drei zu finden, da sie mittlerweile von einer Traube von Menschen umgeben waren, die auf die Würfe von Kazan und dem Mann wetteten. Nach einigem Suchen fanden die beiden letztendlich den Tisch. Lunella kletterte einfach zwischen den Beinen der Leute hindurch und tauchte neben Kazan auf. Narek bestellte sich erst einmal etwas zu essen und setzte sich ans Kopfende. Lunella bekam direkt Essen und Getränke und wurde als einzige Frau direkt in das Würfelspiel eingebunden, indem sie auf die Würfel pusten sollte. Nachdem mittlerweile alle eine ganze Menge Alkohol konsumiert hatten, setzte sich ein Mann neben Lunella und redete auf sie ein, dass sie doch vielleicht den zukünftigen Bräutigam küssen solle, da er bisher noch keine andere Frau ausser seiner Zukünftigen geküsst hatte.
Nach kurzem Hin und Her zog Lunella den Bräutigam in einen dominanten Kuss, sodass dem halben Tisch fast die Gläser aus den Händen fielen. Daraufhin musste sich der Bräutigam erst einmal setzen, da sein Blut gerade auf Abwegen war. Der Mann, der Lunella überredet hatte, setzte sich wieder zu ihr, und die beiden schäkerten miteinander. Sie wurden immer betrunkener, während sich Narek mit Wahkan unterhielt, um ihm zu berichten, dass sie vermutlich in nunmehr sechs Stunden aufbrechen müssten. Irgendwann war Lunella verschwunden. Sie hatte sich nach draussen begeben, da der Alkohol ihren Körper auf oralem Wege wieder verlassen wollte. Lunella kotzte sich erst einmal die Seele aus dem Leib, während ihr immer wieder Leute auf die Schulter klopften und Zuspruch gaben. Nachdem sie sich etwas ausgekotzt hatte, nahm ein Kerl sie wieder mit hinein. Narek erspähte sie dann an der Bar, wo sie mit anderen Kerlen tanzte. Nach einiger Zeit ging Narek zu ihr und führte Lunella nach etwas Tanzen zurück zum Tisch.
Er setzte sie neben Wahkan, damit dieser ein Auge auf sie hatte und sie nicht zu viel trank. Leider war ab da für Lunella Schluss mit Rum, und es gab nur noch Bier. So verstrichen die Stunden. Alle vier ausser Kazan trafen sich am Abort wieder und beschlossen, draussen zu bleiben, da die Sonne bald aufgehen würde. Narek und Lunella sassen auf der Treppe, während Lunella mittlerweile in der emotionalen Phase angekommen war und wild über Gefühle plapperte. Zum Glück dauerte dies nur kurz, denn die Müdigkeit übermannte sie, und sie schlief auf Nareks Schoss ein. Circa eine Stunde später kam Jurai mit einem offenen Pelzmantel wie ein Pimp auf Narek zu und fragte, ob sie bereit seien. Narek schickte Wahkan los, um Kazan zu holen. Als Kazan herauskam, stellten er und Jurai sich zu einem Staring-Duell gegenüber auf, das unentschieden endete.
Die vier folgten ihm in eine Lagerhalle, wo ein riesiges, felliges Wesen mit zwei Schwänzen wartete. Auf seinem Rücken waren Körbe zum Sitzen und vermutlich Proviant befestigt. Nach einer kurzen Absprache mit Jurai sagte dieser, dass der Führer gleich kommen werde. Narek sagte dem Bewahrer, er solle ihnen den ersten Text vorlesen. Als er das tat, las er ihn mit seiner normalen Stimme vor. Jurai war verblüfft, dass die Dinger auch die Konklave verlassen konnten. Wie sich herausstellte, war Jurai einmal im Turm gewesen und hatte dort zwei von ihnen getroffen. Dann kam Alex, ein kleinerer Mann mit einem rattenähnlichen Gesicht. Er klärte kurz alles mit Jurai, und dann zeigte Narek ihm die Skizze und fragte, ob er sie dorthin bringen könne. Er sagte nur: „Kein Problem“, und kletterte auf das zottelige Wesen. Narek kletterte ebenfalls in einen der Körbe, während Wahkan den Bewahrer fragte, ob er nicht kleiner werden könne. Dann fing der Bewahrer an zu schrumpfen, bis er etwa so gross wie ein kleines Kind war. Anschliessend reichte Wahkan den Bewahrer nach oben, und Narek und Kazan setzten ihn in einen Korb. Narek sagte dem Bewahrer, dass er so gross werden könne, dass er aus dem Korb herausschauen könne.
Als letztendlich alle an Bord waren, setzte sich das Wesen langsam in Bewegung.



